Stabensalat... ohne Buch.
Samstag, 9. Oktober 2010
Jerusalem
Jerusalem, Jerusalem
ruft es von West und Ost.
Jerusalem, Jerusalem
dein ist mein Sein,
fanatisch GROß und klein.

Jerusalem du Arme,
allein in zweier Hand,
kein Lied mag dich versöhnen,
nicht einmal der Verstand.

Jerusalem, Jerusalem
bist ganz aus Stein gemacht,
oh hätte doch dein Ahnherr
auch noch an uns gedacht.

Jerusalem du Harte,
gehst ein als unser Grab,
gedenke doch der Gaben,
die ich dir einstmals gab.

Jerusalem, Jerusalem
erweiche unser Streben;
Wohnst in den Herzen aller,
wolln wir dich weitergeben.

Jerusalem du Schöne,
vergänglich ist dein Stand,
gelenkt hast du Gedanken,
mit Zierrat und mit Tand.

Jerusalem, Jerusalem
gib uns den Frieden wieder,
nur Stein, nur Sand - eine Idee,
mehr bist du nicht und schlagen doch
sich alle um dein finstres Joch.

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Dienstag, 5. Oktober 2010
Geheimversteck
Hinter verschlossenen Türen,
glänzenden Fassaden,
hellen Straßen,
wohl verborgen.

Jüngerreise des eigenen Ich
durch die Zimmer der Jugend,
glatt und eben,
ordentlich, friedlich.

Weiter durch die Türen
kleiner und älter werdend,
Staub setzt sich an,
Spinnweben der Eitelkeit
versperren den Weg.

Dann,
Falltüren versehen mit Stricken,
taube Fenster, verhangen,
dicke Balken stützen die Decke,
zum duckenden Gang gezwungen.

Ratten rennen rastlos
über starrende Dielen,
Gräuel des eigenen Selbst
ohne Hilfe für die Zukunft,
ohne Hoffnung.

Hinter der letzten Tür,
dem letzten Absatz,
dem letzten Wort,
gähnende Leere
gefüllt mit endlosem Nichts.

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Dienstag, 28. September 2010
Der Mensch
Ratternde schnaufende stobende zischende Sturmgänger.
Trinkende sehende sterbende Rauchfänger.
Hetzende laufende Zahlensänger.
Wo ist der Mensch?

Rächende irrende blinde bombende Allwisser.
Schreibende lesende drehende Wissensmisser.
Kaufende bewundernde Geldfriss(t) er.
Was ist der Mensch?

So, anders, hier, dort, das isser.

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Mittwoch, 22. September 2010
Vielgelesen...
Zerfledderte Tasten,
markierte Stellen auf quadratischem Plasma,
Zeit rennt bei, schneller, immer schneller.

Klick um Klick,
Linsen um die Ecke, nächste Seite,
nächste, nächste, weiter, immer schneller.

Info, Neues, Schnelles, altbekannt,
aus der analogen Ecke gekramt,
abgestaubt, neu gemacht, immer wieder.

Offen, zu, Fenster um Fenster,
blendend hell, alles geklaut,
kopiert, adaptiert, negiert, verliert...
AUS.

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Freitag, 3. September 2010
Sternenstaub
Sternenstaub auf Butterbrot,
morgens mit bitterem Kaffee,
ohne Milch.

Sternenstaub mit Butterbrot,
macht Erinnerungen wach,
findet sie in ihren Ecken,
ohne Hilfe.

Sternenstaub auf Butterbrot,
verheisst Sonne,
Hitze, Staub, Schweiss,
ohne Dank.

Sternenstaub mit Butterbrot,
glitzernd, nass,
staubige Erfrischung,
ohne Not.

Sternenstaub auf Butterbrot,
ist wie Butter,
ohne Brot.

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Mittwoch, 1. September 2010
Der Stift
Langsam flieht der Stift,
vor der Hand des erhobenen Zeigefingers,
gut so schreit das Buch,
im Regal unter digitalen Nullen.
So nicht!

Flattern huschen dann,
mit Wollmäusen vereint über die Tasten,
wackeln, dackeln, sträuben sich,
gut so flüstert der Stift,
gefangen im Dunkel.
So nicht!

Kreischende Staben,
rennen hinter dem Buch,
flüchten, sträuben, sehen sich,
-- Nein, nein.
So nicht!

Lass es sein,
seh es ein,
so nicht,
nein.

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Donnerstag, 29. Juli 2010
The Quest for Truth
Ein Blatt, das auf der Straße weht,
ein Ton, den es im Winde pfeift,
der Mann, der auf dem Gehweg geht,
die Frau, die nach der Tasche greift.

Sekunden die wie Stunden sind
vergehen langsam wie der Wind.

Die Wahrheit ist ich weiss es nicht,
das bist nicht du das bin nicht ich,
keine Frau, kein Mann,
kein Ton der nicht sein kann.

Was ist und was noch sein mag,
das zeigt an jeder neue Tag,
was nicht ist und nicht sein kann,
verfluche ich und leg in Bann.

So ist dann auch egal,
ob es Mann ist oder Wind,
kein Ton ist meine Qual,
so sind wir was wir sind.

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